12.09.2019 - Whistleblower packt aus: Türkischer Vorzeige Unternehmer lasst 1,7 Tonnen Gold verschwinden.

Dann „klickten die Handschellen“, sagt ein nicht genannter Mitbewerber unter der Hand. Mesut Pazarci , Geschäftsführer der PIM-Gold, wurde am 4.9.bei einer spektakulären Razzia in Frankfurt Heusenstamm verhaftet.

Etwa 10.000 Deutsche Kleinsparer bangen jetzt um ihre Alterssicherung. Insgesamt sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegenüber dem Handelsblatt 1,9 Tonnen Kundengold verschwunden sein.

 

Zuerst hagelte es von einen Ex-Mitarbeiter des Goldhändlers Strafanzeigen- wenig passierte. Dem Bericht des Mitarbeiters zufolge, könne Pazarci „weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung vorweisen. Er „kann noch nicht einmal zwei deutsche Sätze fehlerfrei schreiben.“

 

Und so funktionierte das türkische Betrugssystem: Seit Ihrer Gründung 2008 gab es bei PIM GOLD zwei Maschen, um die Kunden abzuziehen. Sie sollen regelmäßig geändert worden, im Prinzip jedoch immer gleich gewesen sein: Goldabonnement- und Goldeinmalanlageverträge.

Bei den sog. Goldabonnementverträgen bezahlten die geschädigten Kunden monatlich fixe Beträge auf das Konto der PIM und bekamen dafür Gold eingelagert, das sie sich jederzeit ausliefern lassen konnten.

Eine Einrichtungsgebühr in Höhe von z.B.: 30 Monatsraten fiel an. Zahlte der Kunde z.B. monatlich 50 Euro in einen Vertrag ein, so fielen Einrichtungskosten von 50€ x 30 = 1500 € die entweder vorab gezahlt oder monatlich ratierlich getilgt wurden.

Waren die Einrichtungskosten getilgt, wurde mit den monatlichen Raten der Kunden Gold mit einem „Wucher-Aufschlag“ von etwa 25% gekauft.

Weil schon diese „Wucher Gelder“ nicht dafür ausreichten, um die exorbitant hohen Vertriebskosten von mehr als einer Million € zu finanzieren, sollten wesentlich höhere Geldbeträge mit den Gold-Einmalanlageprodukten eingenommen werden. Angeblich genau deshalb, soll die PIM von 2010 bis 2014 sogenannte „Bonus-Goldkauf+ “Verträge an seine Kunden verkauft haben.

Gerade diese Verträge hatten es aber mutmaßlich in sich:

Mit dem „Garantieversprechen“, dass sie das gekaufte Gold nach einem Jahr mit einem Aufschlag von traumhaften 10,8% bis 17,48% auf den Kaufpreis an die PIM zurückverkaufen könnten, soll den geschädigten Anlegern von dem Vertrieb scheinbar minderwertiges Gold mit einem Aufschlag zum üblichen Marktpreis von 32% bis 39% verkauft worden sein.

In der Strafanzeige des ehemaligen PIM Mitarbeiters liest es sich wie in einen James Bond Krimi. So sollte das Rückkaufsgarantieversprechen damit finanziert werden, dass die PIM „angeblich weltweit Goldhandelsgeschäfte mit einer sehr hohen Handelsmarge tätigen würde“. Das soll auch das Märchen gewesen sein, das Pazarci. seinen Vertriebsmitarbeitern, also den einfachen Vermittlern und deren Kunden erzählt haben soll. In Wahrheit soll es diese Handelsgeschäfte aber überhaupt nicht gegeben haben. Erst ab 2014 sei „in sehr geringem Umfang mit Altgold und Schmuck gehandelt“ worden, „um ein Alibi für diese Behauptung vorzuzeigen“, so der ehemalige PIM Mitarbeiter, der jetzt ausgepackt hat.

Nach Angaben des mutigen Whistleblowers in seinen Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt, soll das brutale Abzock-System von einem auf das Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwalt, und einem Wirtschaftsprüfer unterstützt und gefördert worden sein.

Die Strafanzeige ist bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt zum AZ 700 Js 23954 / 17 eingereicht worden. Auch gegen den Rechtsanwalt und den Steuerberater sind Anzeigen anhängig. Einige der schweren Vorwürfe: „Gewerbsmäßiger Betrug“, Betrieb eines „illegalen Schneeballsystems“ Ein anderer: „Bilanzfälschung und Bilanzbetrug“.